<< Stumm stehe ich neben dem Pult und warte, bis meine Lehrerin die Tür geschlossen hat. Wir sind alleine. 'Bitte, bitte, zwing mich nicht zu reden. Frag mich nichts.' , brüllen meine Gedanken, doch kaum steht die kleine Frau wieder neben mir, schaut sie mich fragend an und fängt an sich für mich zu interessieren: "Als ich mit deiner Mutter gesprochen habe am Montag, hat sie schon ein paar Dinge bezüglich deines Vaters angesprochen. Er ist also ab und zu in unserer Schule?" Ich nicke und setze mein fettes, künstliches Lächeln auf. "Was macht er da?", fragt sie weiter. Ich überlege kurz und antworte dann zögernd: "Weis nicht genau, halt Getränke und wenn Feste sind wie der Abschlussball macht er irgendwas organisatorisches." - "Achso, das nimmt dich mit, oder?". Kann sie nicht aufhören mich zu foltern?! Ich beiße mir kurz auf die Lippen und lächle gequält: "Mh, ja, geht." Meine Lehrerin sieht kurz aus dem Fenster und mustert mich dann einen Moment. "Ich hätte nicht gedacht, dass es dir so schlecht geht. Du bist eine gute Schauspielerin. Im Unterricht, was ich so mitbekomme, lächelst du immer, wenn ich dich ansehe." - "Ja, kann sein. Hab's gelernt Gefühle zu unterdrücken, wenn es sein muss." Aus ihrem Gesicht kann ich ein kleines bisschen Sorge lesen. Anscheinend merkt sie endlich, dass mir das alles zu nahe geht, anscheinend sieht sie die Tränen, die langsam in meine Augen steigen. "Wenn irgendetwas ist, dann bin ich für dich da, du kannst mit mir reden.", sagt sie lächelnd. Ich zwinge mich zu antworten: "Danke." In meinem Kopf fangen diese Stimmen wieder an zu schreien, sie brüllen mich an, dann schweigen sie, sie schweigen die Worte unangenehm laut. Ich drücke den Türknauf hinunter und laufe den Gang zur Aula entlang. Einfach laufen, bis das Stechen in meiner Brust aufhört. >>

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