<< Meine Lippen beben, ich zittere am ganzen Körper, als du dich am Telefon meldest. Ich vermisse deine Stimme so sehr. Für manche mag eine Woche, ein Klaks sein, aber für mich ist es eine kleine Ewigkeit. Du bist mein Lebenserhalt, meine Luft, meine Seele. Mein Atmen wird schwerer, ich bekomme kaum noch Luft. Sei hier, sei hier. Du bist nur 3 winzige Kilometer von meinem Kuhdorf entfernt, Schullandheim, aber es fühlt sich an, als wärst du am anderen Ende der Welt. Ich hätte deine schützende Umarmung und deine aufbauenden Worte die letzten Tage so sehr brauchen können, aber du bist nicht da, meine Maske muss also noch eine Weile halten, die Fassade darf nicht bröckeln, dann würde jeder meine vernarbte, eingeschüchterte Persönlichkeit sehen. Weit entfernt höre ich eine Feuerwehrsirene durch mein gekipptes Fenster. Draußen ist es stockdunkel, nur die orangefarbene Laterne wirft ein paar helle Flecken auf die schmale Straße und den Hof, genau wie in meinem Zimmer. Auch hier umhüllt mich unangenehme Finsternis. Wären die Lichterketten, die meine Wände beleuchten und die Kerzen, die alles in schummriges Licht tauchen, nicht an, würde ich kollabieren. Ich bin leider einer der vielen Menschen, die panische Angst vor der Schwärze eines Raumes haben, das war schon immer so. "Schatz, bist du noch dran?", frägst du vorsichtig. Ohje, ich war ganz in Gedanken versunken, hatte deine Worte nicht mehr wahrgenommen. "Oh nein, verdammt, ich war abwesend, was hast du gesagt?", entschuldige ich mich kleinlaut. "Du wolltest mir erzählen, was deine Mum vorhin gesagt hat, du hast gesagt es hat etwas mit mir zu tun." - "Oh, genau, also..", fange ich an,"Sie meint, ich sei zu oft bei euch daheim, ich glaube sie ist einfach zu stolz. Sie kommt sich dumm vor, wenn ich bei euch esse und trinke. Ich verstehe sie beim besten Willen nicht, ich meine, ich fühle mich bei euch viel wohler, akzeptiert." Du schweigst einen Augenblick, dann antwortest du mir. Die Freude in deinem Unterton ist verschwunden, es schwingt jetzt ein Hauch von Hass mit, "Das kann die doch nicht machen. Sag mal, wollen die unsere Beziehung ruinieren?! Ich sollte mal mit ihr reden." - "Ja vielleicht, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das etwas bringt." Nach ein paar Minuten, in denen wir uns noch etwa hundertzwanzigmillionenvierhundertzehntausendsiebenhunderteinundsechzig Mal sagen, wie sehr wir uns vermissen, musst du auflegen, weil dein Lehrer die Handys einsammeln will. Das Telefonat hat mich aus einem unverständlichem Grund so müde gemacht, dass ich sofort das Netbook ausmache und versuche einzuschlafen. "Gute Nacht, ich liebe dich.", hauche ich noch ins Leere, falls du es vielleicht hören kannst. >>

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